Einstellung des Verfahrens wegen Kinderpornografie? Diese Möglichkeiten gibt es

Wenn Sie danach suchen, ob ein Kinderpornografie Verfahren eingestellt werden kann, steht meist schon eine Hausdurchsuchung hinter Ihnen oder eine Vorladung liegt auf dem Tisch. Ihre Geräte sind beschlagnahmt, die Auswertung läuft, und niemand sagt Ihnen, wie es weitergeht. In dieser Phase entscheidet sich mehr, als die meisten Betroffenen ahnen, denn in Verfahren nach § 184b StGB werden die entscheidenden Weichen häufig bereits im Ermittlungsverfahren gestellt und nicht erst vor Gericht.

Eine Einstellung ist kein Zufall und auch kein Gnadenakt der Staatsanwaltschaft. Sie ist an klare gesetzliche Voraussetzungen geknüpft, und je nach Rechtsgrundlage bedeutet sie etwas völlig anderes für Ihr Führungszeugnis, Ihren Beruf und Ihre Zukunft.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Einstellungswege die Strafprozessordnung kennt, warum die Gesetzesänderung von 2024 die Lage spürbar verändert hat, welche Konstellationen in der Praxis gute Aussichten haben und was nach einer Einstellung tatsächlich passiert. Als Kanzlei, die sich seit vielen Jahren mit Sexualstrafrecht befasst, führen wir solche Verfahren bundesweit und wissen, an welchen Stellen sich der Ausgang beeinflussen lässt.

Wann wird ein Verfahren wegen Kinderpornografie eingestellt

Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft insbesondere darüber, ob sie Anklage erhebt, einen Strafbefehl beantragt oder das Verfahren einstellt. Ob ein Verfahren wegen Kinderpornografie eingestellt wird, hängt dabei vor allem von zwei Fragen ab.

Die erste Frage ist die Beweislage. Reicht das Ermittlungsergebnis nicht aus, um eine vorsätzliche Tat nach § 184b StGB mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, fehlt es am hinreichenden Tatverdacht. Dann muss die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO einstellen, unabhängig von der abstrakten Schwere des Vorwurfs.

Die zweite Frage betrifft die Schwere der Tat, die Schuld und das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung. Auch bei hinreichendem Tatverdacht kann eine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO in Betracht kommen, wenn deren jeweilige Voraussetzungen erfüllt sind. Genau hier hat sich die Rechtslage in den vergangenen Jahren zweimal grundlegend geändert.

Wichtig ist die Unterscheidung von Anfang an: Eine Einstellung mangels Tatverdachts bedeutet, dass es zu keiner Verurteilung kommt und der Tatvorwurf auf Grundlage der bisherigen Ermittlungen strafrechtlich nicht weiterverfolgt wird. Eine Einstellung gegen Auflage kann mit Geldzahlungen oder anderen Auflagen und Weisungen verbunden sein, ist aber ebenfalls keine Verurteilung.

Warum seit der Reform 2024 wieder mehr § 184b StGB Verfahren eingestellt werden

Zum 1. Juli 2021 hatte der Gesetzgeber Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte nach § 184b StGB zum Verbrechen hochgestuft, mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe. Die Folge war drastisch: Einstellungen nach §§ 153, 153a StPO waren ausgeschlossen, weil diese Vorschriften nur bei Vergehen gelten. Auch ein Strafbefehl schied aus. Bei einem hinreichenden Tatverdacht blieb damit grundsätzlich nur die Anklage; selbst in Fällen am unteren Rand der Strafwürdigkeit.

Das hat der Gesetzgeber am  28. Juni 2024 korrigiert und die Mindeststrafen abgesenkt. Seither gilt für die Verbreitung nach § 184b Abs. 1 StGB ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, für den Besitz und das Sichverschaffen nach § 184b Abs. 3 StGB ein Rahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Beide Varianten sind damit wieder Vergehen.

Das ist der entscheidende Grund, warum Einstellungen nach §§ 153, 153a StPO heute bei vielen § 184b-Verfahren wieder möglich sind. Erst durch die erneute Einordnung bestimmter Tatvarianten als Vergehen sind diese Formen der Verfahrenseinstellung wieder eröffnet.

Auch ältere Fälle profitieren davon. Nach § 2 Abs. 3 StGB gilt das mildeste Gesetz, das zwischen Tatzeit und Entscheidung in Kraft war. Wird Ihnen eine Tat aus dem Jahr 2022 oder 2023 vorgeworfen und ist das Verfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen, ist das mildere neue Recht anzuwenden.

Die drei zentralen Wege, auf denen ein Verfahren nach § 184b StGB enden kann

Nicht jede Einstellung ist gleich. Die Rechtsgrundlage entscheidet über Kosten, Auflagen und die rechtlichen Folgen der Verfahrensbeendigung.

Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO, wenn der Tatverdacht nicht trägt

Ergibt die Auswertung keinen hinreichenden Tatverdacht, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO ein. Das ist regelmäßig die günstigste Variante, weil sie keine Verurteilung und keine Auflagen nach sich zieht und keinen Eintrag ins Führungszeugnis bewirkt.

In der Praxis führen vor allem drei Konstellationen hierhin: Es lässt sich nicht klären, wer ein Gerät oder einen Internetanschluss benutzt hat. Die Dateien befanden sich lediglich im Cache oder als automatisch erzeugte Vorschaubilder auf dem Gerät, ohne dass sich ein bewusster Besitzwille nachweisen lässt, wie unser Beitrag zu Thumbnails und fehlendem Besitzwillen zeigt. Oder eine Ermittlungsmaßnahme war rechtswidrig, sodass im konkreten Fall ein Beweisverwertungsverbot in Betracht kommt.

Einstellung nach § 153 StPO bei geringer Schuld

Eine Einstellung nach § 153 StPO kann insbesondere bei Fällen mit geringem Tatumfang und geringer Schuld in Betracht kommen. Maßgeblich sind die Gesamtumstände des Einzelfalls, etwa Anzahl und Art der Inhalte, Dauer und Intensität des Besitzes, das Vorleben des Beschuldigten sowie das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung.

Einstellung nach § 153a StPO gegen Auflage

Ein praktisch wichtiger Weg führt über § 153a StPO. Das Verfahren wird zunächst vorläufig eingestellt, Sie erfüllen eine Auflage, und danach erfolgt die endgültige Einstellung. In Betracht kommen eine Geldauflage an eine gemeinnützige Einrichtung oder die Staatskasse, gemeinnützige Arbeit oder die Weisung, an einer therapeutischen Maßnahme teilzunehmen.

Erforderlich ist Ihre Zustimmung und in der Regel die Zustimmung des Gerichts. Nach vollständiger Erfüllung tritt ein beschränkter Strafklageverbrauch ein, die Tat kann insoweit als Vergehen nicht mehr verfolgt werden. Eine Verurteilung liegt darin ausdrücklich nicht, es gibt keinen Schuldspruch und keinen Eintrag im Führungszeugnis.

Jugendliche und Heranwachsende

Ist der Beschuldigte Jugendlicher oder findet bei einem Heranwachsenden Jugendstrafrecht Anwendung, greifen zusätzlich die §§ 45 und 47 JGG. Staatsanwaltschaft und Jugendrichter können hier flexibler reagieren, etwa mit einem erzieherischen Gespräch, Arbeitsstunden oder einem sozialen Trainingskurs.

WhatsApp und Kinderpornografie: Wann Chatfälle eingestellt werden können

Ein großer Teil der heutigen Verfahren betrifft keine Sammler, sondern Messenger-Nutzer. Ein Video landet in einer Gruppe, WhatsApp lädt es automatisch in den Gerätespeicher, jemand leitet es empört oder gedankenlos weiter, und wenige Monate später steht die Polizei vor der Tür. Wie oft ein solches Verfahren wegen Kinderpornografie über WhatsApp eingestellt werden kann, hängt an sehr konkreten technischen Details.

Entscheidend ist der Vorsatz. Eine automatische Speicherfunktion kann gegen einen bewussten Besitz sprechen, ebenso ein sofortiges Löschen nach Kenntnisnahme. Umgekehrt sprechen ein Speichern in einem eigenen Ordner, mehrfache Weiterleitung oder eine gezielte Suche für Kenntnis und Besitzwillen. Wir prüfen dazu Zeitstempel, Speicherpfade und Auswertungsprotokolle im Detail, wie wir es in unserem Ratgeber zu Kinderpornografie über WhatsApp beschreiben.

Eine zweite Weichenstellung betrifft das Alter der abgebildeten Person. Ist sie 14 bis 17 Jahre alt, greift nicht § 184b StGB, sondern der mildere § 184c StGB zur Jugendpornografie. Diese Abgrenzung verändert den Strafrahmen erheblich und damit auch die Einstellungschancen.

Was wir tun, damit ein Kinderpornografie Verfahren eingestellt wird

Der wichtigste Hebel liegt zeitlich vor der Anklage. Ist die Anklageschrift erst einmal bei Gericht, wird eine geräuschlose Verfahrensbeendigung häufig schwieriger. Deshalb beginnt unsere Arbeit sofort mit dem Antrag auf Akteneinsicht, und bis dahin sollten Sie zur Sache schweigen. Wie eine polizeiliche Vorladung einzuordnen ist, erklären wir gesondert.

Anschließend prüfen wir die Rechtmäßigkeit der Ermittlungsmaßnahmen. War der Durchsuchungsbeschluss ausreichend begründet, war die Maßnahme verhältnismäßig, wurde der Umfang eingehalten? Fehler an dieser Stelle können im Einzelfall zu Beweisverwertungsverboten führen, wie unsere Hinweise zur Hausdurchsuchung im Sexualstrafrecht zeigen.

Danach folgt die technische Ebene. Wir hinterfragen die IT-forensische Auswertung, ordnen Fundorte zu und trennen bewusst gespeicherte Dateien von Cache-Inhalten, Thumbnails und automatisch erzeugten Dateien. Dass die bloße Zuordnung einer IP-Adresse für eine Verurteilung nicht genügt, zeigt der von uns dokumentierte Freispruch mangels Beweisen.

Auf dieser Grundlage entsteht eine schriftliche Verteidigung an die Staatsanwaltschaft, die den Sachverhalt einordnet, den vorgeworfenen Umfang überprüft und eine konkrete Erledigung vorschlägt. Diskretion ist dabei kein Beiwerk, sondern Teil der Strategie, denn eine vermiedene Hauptverhandlung bedeutet regelmäßig auch vermiedene Öffentlichkeit. Den weiteren Ablauf eines Strafverfahrens im Sexualstrafrecht haben wir für Sie zusammengefasst.

Was nach der Einstellung mit Führungszeugnis, Geräten und Beruf passiert

Führungszeugnis: Eine Einstellung führt in keiner Variante zu einem Eintrag, weil kein Schuldspruch ergeht. Das gilt für § 170 Abs. 2 StPO ebenso wie für §§ 153 und 153a StPO.

Verfahrensregister: Das Verfahren wird im Zentralen Staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister vermerkt, in das aber nur gesetzlich berechtigte Stellen Einsicht nehmen. Arbeitgeber, Behörden und Privatpersonen erhalten daraus keine Auskunft.

Beschlagnahmte Geräte: Werden Datenträger nicht mehr als Beweismittel benötigt und kommt keien Einziehung in Betracht, besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Herausgabe. In der Praxis geben die Behörden Datenträger häufig erst nach Löschung der beanstandeten Dateien zurück. In Einzelfällen kann auch eine Einziehung, insbesondere nach §§ 74 ff. StGB oder selbstständig nach § 76a StGB, in Betracht kommen.

Kosten: Wird das Ermittlungsverfahren nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, erstattet die Staatskasse Ihre Verteidigerkosten regelmäßig nicht. Eine Auslagenerstattung nach § 467 StPO kommt grundsätzlich erst bei einer gerichtlichen Entscheidung in Betracht. Diesen Punkt sollten Sie von Beginn an einkalkulieren.

Beruf und Beamtenstatus: Ein Disziplinarverfahren läuft eigenständig weiter. Eine strafrechtliche Einstellung bindet den Dienstherrn nicht, kann Ihre Position dort aber erheblich verbessern, weil kein gerichtlicher Schuldspruch existiert

Ihr Strafverteidiger beim Vorwurf wegen Kinderpornografie

Ein Ermittlungsverfahren nach § 184b StGB ist eine Ausnahmesituation, und die Unsicherheit über den Ausgang belastet oft mehr als das Verfahren selbst. Wir nehmen Ihnen diese Unsicherheit nicht mit Versprechen, sondern mit einer nüchternen Einschätzung Ihrer Akte und einem klaren Plan.

Alles, was Sie uns anvertrauen, bleibt vertraulich. Wir arbeiten bundesweit von unseren Standorten in Hamburg, Frankfurt am Main und Neumünster aus und sind in dringenden Fällen rund um die Uhr erreichbar. Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns eine E-Mail oder nutzen Sie unser Kontaktformular für eine unverbindliche Ersteinschätzung.

Häufige Fragen zur Einstellung eines Verfahrens wegen Kinderpornografie

Die IT-forensische Auswertung beschlagnahmter Geräte dauert häufig sechs bis achtzehn Monate. Die abschließende Entscheidung der Staatsanwaltschaft fällt oft erst nach Vorliegen dieser Auswertung. Diese Wartezeit ist belastend, lässt sich aber sinnvoll für die Vorbereitung der Verteidigung nutzen.

Nein. Sie stimmen der Verfahrensbeendigung gegen Auflage zu, nicht einem Schuldspruch. Sie gelten dadurch nicht als vorbestraft.

Das richtet sich vor allem nach Ihrem Einkommen, dem vorgeworfenen Schuldumfang und der konkreten Verfahrenslage. Der Rahmen reicht von wenigen hundert bis zu mehreren tausend Euro. Eine seriöse Prognose ist erst nach Akteneinsicht möglich.

Mit steigender Zahl, schwerwiegenderem Inhalt und aktiver Beschaffung sinken die Chancen deutlich. Entscheidend sind aber nicht nur die Zahlen, sondern auch Herkunft der Dateien, Speicherverhalten, mögliche Weiterleitungen, Fundorte und Ihre persönliche Situation.

Dann wird das zunächst nur vorläufig eingestellte Verfahren wieder aufgenommen bzw. fortgeführt. Bereits geleistete Zahlungen werden grundsätzlich nicht erstattet. Fristprobleme sollten Sie deshalb frühzeitig über Ihren Verteidiger klären lassen.

Das kann auch dann geschehen, wenn Kinder im Haushalt leben, denn familiengerichtliche und jugendamtliche Prüfungen laufen unabhängig vom Strafverfahren. Eine strafrechtliche  Einstellung kann sich dort jedoch günstig auswirken.

In dringenden Fällen erreichen Sie unsere Anwaltskanzlei zu jeder Tag- und Nachtzeit.

Über den Autor

ANWALT FÜR SEXUALSTRAFRECHT: RECHTSANWALT UND STRAFVERTEIDIGER DR. BÖTTNER

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Dr. Böttner ist seit mehr als 15 Jahren erfolgreich als Spezialist für Sexualstrafrecht tätig. Er ist ein bundesweit häufig angefragter Experte auf dem Gebiet des Sexualstrafrechts. Er verteidigt und berät bundesweit gegen alle Vorwürfe aus dem Sexualstrafrecht.

IHR RECHTSANWALT FÜR SEXUALSTRAFRECHT | DR. JUR. SASCHA BÖTTNER (FACHANWALT FÜR STRAFRECHT)

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